der Kölnmarathon 2010

Posted on 7. November 2010

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Strecke Kölnmarathon 2010

Strecke Kölnmarathon 2010

 

Der Kölnmarathon im Oktober 2010 war einmalig schön. Strahlender Sonnenschein, angenehme Temperaturen und viele Zuschauer entlang der Strecke. Hier möchte ich meine persönlichen Eindrücke vom Lauf erzählen.

Der Start: mitten in hunderten von Menschen warte ich auf den Startschuss. Laute Musik dröhnt aus den Lautsprechern der Veranstalter und macht Stimmung. Ein wenig Nervösität kribbelt in meinen Beinen und der ganze Körper wartet darauf los zu laufen. Dann ertönt der Startschuss! Nacheinander laufen die einzelnen Gruppen los. Ich komme wegen der vielen Läufer erst ca. 30 Minuten nach dem Startschuss über die Startlinie. Es geht los – erst ganz langsam wegen des Staus der Läufermassen, dann nach ein paar Minuten im Normaltempo. 5489 Marathon Zieleinläufe wurden von den Veranstaltern am Ende gezählt, das Limit der Startläufer lag bei 12.000 – wie viele genau mitgelaufen sind weiß ich nicht. Überall stehen Zuschauer neben der Strecke und feuern Bekannte und Freunde an. Schilder mit „Du schaffst es Klaus!“, „Lauf Du Sau!“ oder „Es sind nur noch 42km!“ säumen die Strasse. Überall ist die Stimmung ausgelassen und das Laufen fällt leicht. Es gibt viel Neues auf dem Weg durch die Innenstadt von Köln zu sehen.

Nach fünf Kilometern kommt die erste Verpflegungsstation. Es wird eng. Die Leute drängen zum Wasser und zu den Bananen. Später im Lauf gibt es an den Verpflegungsstationen Tee, Cola, ISO Getränke, Müsliriegel und Äpfel, um die bereits verbrauchten Kalorien wieder aufzufüllen. Die Profis stellen Ihr eigenes Essen und Trinken an die Stationen. Im Laufen esse und trinke ich. Wie ein kleines Baby schlabbere ich ein Viertel auf mein Shirt, aber das ist sowieso schon nass vom Schwitzen. So geht es immer weiter: Straßen, Brücken, Zuschauer, Essen, Trinken, Applaus, Trommeln und Musik.

Ab und zu liegt ein verletzter Kämpfer am Straßenrand: Rettungshelfer wickeln einer umgeknickten Schülerin eine Bandage um den Fuß, ein am Kopf mit Blut überströmter Mann wird gerade verbunden, einem besonders ehrgeizigen jungen Mann müssen mehrere Helfer mit aller Kraft am Boden halten, da er unbedingt weiterlaufen will, ein Krankenwagen lädt gerade eine Person ein, Läufer bluten aus beiden Brustwarzen, weil sie Ihre Nippel-Pflaster vergessen haben. Spaßige Dinge sind auch zu sehen: sobald ein Grünstreifen die Laufstrecke säumt, treten duzende Läufer aus – egal ob Mann oder Frau – und düngen die anliegenden Grünpflanzen.

Beim Laufen sehe ich alle Arten von Läufern: dünne, dicke, kleine, große, schnaufende, keuchende, lachende, von der persönlichen Bestzeit getriebene, entspannte, spaßige, quatschende, ruhige, verkleidete, junge, ältere und Alle haben das gleiche Ziel: den Marathon zu bestehen!

Die Beine werden schwerer: Kilometer 36. Die Beine wollen nicht mehr laufen – ich bin kraftlos und frage mich: „Warum laufe ich hier eigentlich?“ Ich suche Ablenkung. Sehr beeindruckend sind die Trommler – beim Trommel-Rythmus kommt viel Kraft zurück in die Muskeln und in den Kopf. Die Stimmung steigt wieder. Es geht weiter und weiter. Ich muss erst einmal ein Stück gehen – ein paar hundert Meter – dann laufe ich wieder. Von Kilometerschild zu Kilometerschild kämpfe ich mich vorwärts. Die Zuschauer feuern alle Läufer an. Sie merken das ich müde bin und rufen „Komm Stefan, Du schaffst das!“ – mein Name steht übrigens auf der Startnummer. Kinder stehen am Strassenrand und strecken die Hände aus. Sie lassen sich von uns Läufern abklatschen. Ich sage mir: „Komm, das Schild da vorne schaffst Du noch im Laufen“. Dann: „Komm, dem Kind klatscht Du noch auf die Hand, bevor Du gehen darfst“. Dann: „Komm, bis zu den Trommlern schaffst Du es noch“. Dann: „Komm, vor so vielen Leuten darfst Du nicht gehen“. …und laufe weiter. Die letzten 6 Kilometer sind die anstrengendsten.

Dann erahne ich die Zielgerade. Die Beine werden wieder leichter und schneller. Im Kopf ist nur noch der Gedanke: „Gleich habe ich es geschafft! Es ist nicht mehr weit! Dann brauche ich nicht mehr laufen!“. Meine Schultermuskulatur schmerzt. Ich merke wie die Schulter-Sehnen über die Knochen springen. „Da muss ich wohl nächstes Mal den Schulterbereich mehr trainieren“ denke ich. Ich sehe die Ziellinie, werde immer schneller, überhole sogar ein paar Mitstreiter und überschreite das ersehnte Ziel nach 4:22 Stunden. Glück und ein wenig Stolz füllt den Kopf und verdrängt meine körperliche Kraftlosigkeit.

Die ziehenden Schmerzen in den Beinen und im Nacken merke ich erst richtig im Verpflegungsdorf. Dort gibt es Schnittchen, alkoholfreies Bier, Cola, Apfelsaft-Schorle, Kekse, Müsliriegel – soviel man will. Das Hinsetzen und das Aufstehen auf und vom Beton-Boden schmerzt. Ich hole meinen Klamottenbeutel, wasche und ziehe  mich an einer Mauer um und fahre glücklich mit der Bahn nach Hause – mit einer Köln Marathon Medallie um den Hals (siehe Trainingspinnwand).

Nach 42,195km habe ich mein Ziel erreicht.

Sei der innere Schweinehund dein Freund und bis zum nächsten Mal.

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Posted in: Erfahrungen