17. Trainingswoche 2012

Posted on 12. Mai 2012

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nach 100km am Seilersee

nach 100km am Seilersee

Der 24h Lauf in Iserlohn – ich habe mein Laufziel von 100km erreicht!

Freitag fing das Abenteuer „Ultramarathon über 100km“ an. Am Abend fuhr ich zum Laufgelände um den Seilersee um dort zu zelten. Es hat zwar die ganze Nacht stark geregnet, aber ich habe richtig gut geschlummert, da Carina mir ein Matratzen-Decken-Kissen-Traum in meinem kleinen Zelt eingerichtet hat. So gemütlich habe ich draußen in der Wildnis noch nie geschlafen! Vielen Dank dafür!

Nach dem Aufstehen habe ich mich am Samstag gewaschen, lecker gefrühstückt, kurz mit der Familie telefoniert und ganz in Ruhe Perry Rhodan gelesen. Um 11:45Uhr ging es relaxed zum Startpunkt und pünktlich um 12:00Uhr fiel der Startschuss!

Jetzt hieß es für mich 100km in 24h. Also habe ich angefangen gemütlich die ca. 1,7km Runde immer wieder zu laufen – immer wieder und immer wieder… Am Ende kannte ich jeden Stein und jedes Schlagloch. Das Wetter wurde bereits mittags drückend heiß, und ich trocknete viel zu schnell aus. Durch die recht kühlen Temperaturen der letzten Wochen und Monate wurden die meisten Läufer vom Wetter überrascht. Nach drei Stunden quälten mich deshalb Kopfschmerzen. Die Verpflegung war super, aber ich habe es einfach nicht geschafft mehr zu trinken als zu schwitzen.

Nach fünf Stunden kam der Psycho-Schock: die Rundenzählung konnte in den ersten Stunden nirgendwo angezeigt werden, und ich lief und lief ohne zu wissen wie weit ich gelaufen war. Wenn der Körper sich im Trott befindet, kann man die Runden im Kopf häufig selber nicht mehr korrekt zählen. Nach ca. fünf Stunden wurde die Anzeige eingeschaltet und ich hatte nur 32km Strecke in den Beinen. Normalerweise habe ich in fünf Stunden mehr als einen Marathon zurückgelegt und in der Beinmuskulatur hat es sich zu diesem Zeitpunkt leider auch schon so angefühlt! Zwar habe ich in dieser Zeit zwei Pausen gemacht um mit lieben Menschen zu quatschen, die wegen mir extra zum Schauen und zum Anfeuern gekommen waren, aber über 10km fehlten mir trotzdem.

Mein Plan war am Samstag 70km und am Sonntag 30km zu laufen. Durch die Niederlage beim Einschalten der Rundenzählung motiviert, funktionierten die Beine wieder besser und um ca. 22Uhr hatte ich 60km hinter mir. Ich dachte noch bei mir: „Die nach Plan restlichen 10km für Samstag schaffst Du heute auch noch!“, aber dann kam ich nach einer weiteren abgeschlossenen Runde wieder an der Rundenzählung vorbei, ohne das die aktuelle Runde gezählt wurde. Ich ging also zum Zählteam und fragte nach. Als Antwort bekam ich, dass gerade Stromausfall war. Also mindestens eine komplette Runde für mein 100km-Ziel fehlte. Diese Vorstellung, dass schon einige Runden vorher nicht gezählt wurden, hat mich so demotiviert, das ich am Samstag keine Lust mehr hatte. Also nahm ich mir kurzerhand vor die restlichen 40km am Sonntag zu laufen. Danach ging es ab in die Dusche und dann zu meiner Freundin, die am Samstag mit im Zelt übernachtet hat. Ich wollte zusammen mit ihr in ihren Geburtstag feiern, dann drei Stunden schlafen und um 3:00Uhr am Sonntag wieder weiter laufen. Geplant, getan…

Eine Band spielte draußen im Flutlicht eines Sportplatzes „Fury in the Slaughterhouse“-Titel, es war angenehm warm und überall lagen oder saßen glückliche Läufer. Die ganz harten Ultramarathonis sind natürlich 24h komplett gelaufen. Zum Geburtstag feiern kamen wir nicht richtig, da wir leider vor 0:00Uhr eingeschlafen sind. Ob die Band Carina’s Geburtstag wie besprochen über Mikrophon durchgesagt hat, haben wir nicht mehr mitbekommen.

Am Sonntag um 3:00Uhr morgens bin ich vor dem Wecker aufgewacht, habe meine Laufklamotten angezogen und bin wieder auf die Laufstrecke gegangen. Durch die neue „Energie durch Schlaf“ war ich gut im Rennen. Schöne Gespräche mit anderen Läufern entwickelten sich und die Kilometer bis zur 100 schrumpften schnell.

Morgens war es wunderschön: zuerst dunkel und ruhig, dann Gänsegeschnatter, dann Sonnenaufgang, dann extrem Gänsegeschnatter, dann ein wunderschöner sonniger Morgen mit Nebel über dem Seilersee. Carina hat erzählt, dass Sie von sich übergebenden Läufern geweckt wurden, die wahrscheinlich Kreislaufprobleme durch das Wetter und die Anstrengung hatten.

Um 11:00Uhr hatte ich die 100km geschafft. Zufrieden ging es unter die Dusche, ich packte alle Sachen und wir sind glücklich nach Hause gefahren. Keine Verletzungen – außer ein paar Blasen, weil ich morgens vergessen hatte mich einzucremen und ein zweites Paar Socken anzuziehen. Durch das sonnige Wetter hatte ich zusätzlich noch einen leichten Sonnenbrand.

Mit diesem 24h Lauf/Nachtlauf habe ich mir einen langjährigen Traum erfüllt. Es war wirklich wunderschön!

Sei der innere Schweinehund dein Freund und bis zum nächsten Mal.

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